Was ist ein MVP?
Das Minimum Viable Product (MVP) ist die minimal funktionsfähige Version eines Produkts oder Services, die gerade genug Funktionen bietet, um von echten Kunden genutzt zu werden und verwertbares Feedback zu liefern. Das Konzept wurde von Eric Ries in der Lean-Startup-Methode popularisiert.
Der Kern: Ein MVP ist kein halbfertiges Produkt, sondern ein Lernexperiment. Es beantwortet die Frage: „Löst unsere Lösung tatsächlich ein Problem, für das Kunden bereit sind zu zahlen?“ – mit minimalem Aufwand und maximalem Erkenntnisgewinn.
Warum ein MVP?
- Risiko reduzieren: Statt Monate in ein Produkt zu investieren, das niemand will, testen Sie die Kernhypothese frühzeitig
- Schneller lernen: Echtes Kundenfeedback schlägt jede Marktforschung – der MVP bringt Sie in die Build-Measure-Learn-Schleife
- Ressourcen schonen: Minimal investieren, bis die Richtung validiert ist – besonders wichtig für Startups und KMU mit begrenztem Budget
- Product-Market Fit schneller finden: Iteratives Vorgehen verkürzt den Weg zur passenden Lösung
- Investoren überzeugen: Ein MVP mit echten Nutzern und Daten stärkt jedes Pitch Deck
MVP-Typen und Beispiele
- Landing Page MVP: Eine Website beschreibt das Produkt und misst Interesse über Anmeldungen – bevor etwas gebaut wird
- Concierge MVP: Der Service wird manuell und persönlich erbracht – simuliert die Lösung, bevor sie automatisiert wird
- Wizard-of-Oz MVP: Die Oberfläche wirkt automatisiert, wird aber im Hintergrund manuell betrieben
- Single-Feature MVP: Nur das wichtigste Feature wird gebaut – alles andere wird weggelassen
- Crowdfunding MVP: Ein Kampagnen-Video testet Nachfrage und sammelt gleichzeitig Finanzierung
- No-Code MVP: Mit Tools wie Bubble, Webflow oder Zapier wird eine funktionale Lösung ohne Programmierung erstellt
Bekannte MVPs: Dropbox (Erklärvideo), Zappos (manueller Schuhversand), Airbnb (eigene Wohnung auf Event-Website). Alle starteten minimal und skalierten erst nach Validierung.
MVP entwickeln: Schritt für Schritt
- Problem validieren: Gibt es ein echtes Problem? Jobs-to-be-Done-Interviews und Zielgruppenanalyse durchführen
- Kernhypothese formulieren: Was genau wollen Sie testen? „Wir glauben, dass [Zielgruppe] [Problem] hat und bereit ist, für [Lösung] zu zahlen“
- Scope definieren: Was ist das absolute Minimum an Funktionalität? Alles streichen, was nicht zur Kernhypothese beiträgt
- Schnell bauen: Rapid Prototyping und No-Code-Tools nutzen – Wochen, nicht Monate
- Echten Kunden geben: Nicht im Team testen, sondern mit der echten Zielgruppe
- Messen: Definierte Erfolgsmetriken auswerten – Nutzung, Retention, Zahlungsbereitschaft
- Entscheiden: Iterieren (verbessern), pivotieren (Richtung ändern) oder skalieren (wachsen)?
MVP vs. Prototyp vs. Pilot
- Prototyp: Ein Testmodell zum Lernen – muss nicht funktionsfähig oder markttauglich sein. Testet die Idee (→ Prototyping)
- MVP: Eine minimal funktionsfähige Version für echte Kunden – testet das Geschäftsmodell und die Zahlungsbereitschaft
- Pilot: Ein begrenzter Markttest mit dem (nahezu) fertigen Produkt – testet Skalierbarkeit und Operations
Die drei Konzepte bauen aufeinander auf: Prototyp → MVP → Pilot → Scale. Jede Stufe validiert eine andere Ebene des Geschäftsmodells.
Typische MVP-Fehler
- Zu viel „V“, zu wenig „M“: Overengineering – wenn das MVP Monate braucht, ist es kein MVP
- Zu wenig „V“: So minimal, dass Kunden keinen Wert erkennen – das „Viable“ ist genauso wichtig wie das „Minimum“
- Features statt Hypothesen: Ein MVP testet eine Hypothese, nicht ein Feature-Set
- Kein echtes Kundenfeedback: Team-Feedback und Freundes-Meinungen ersetzen keinen echten Markttest
- Einmal bauen und vergessen: Ein MVP ist der Start eines iterativen Prozesses, nicht das Endprodukt
- Falsche Metriken: Nicht nur „Gefällt mir“ zählt – Zahlungsbereitschaft und Retention sind die echten Validierungssignale
Wir begleiten Sie von der Hypothese über das MVP bis zum Product-Market Fit – mit erprobten Lean-Startup-Methoden.
Häufige Fragen zum MVP
Wie lange sollte die Entwicklung eines MVP dauern?
Idealerweise 2–8 Wochen. Ein Landing-Page-MVP kann an einem Tag stehen, ein No-Code-MVP in 1–2 Wochen. Wenn die MVP-Entwicklung länger als 3 Monate dauert, ist der Scope zu groß. Kürzen Sie Features radikal – das MVP muss nur die Kernhypothese testen.
Kann ich ein MVP auch für Dienstleistungen erstellen?
Ja – besonders gut sogar. Ein Concierge-MVP für Dienstleistungen bedeutet: Den Service manuell und persönlich für wenige Testkunden erbringen. Sie lernen direkt vom Kunden, was funktioniert, und können den Service iterativ verbessern, bevor Sie in Skalierung investieren.
Wann ist ein MVP erfolgreich?
Ein MVP ist erfolgreich, wenn es die Kernhypothese klar bestätigt oder widerlegt – unabhängig vom Ergebnis. Auch ein gescheitertes MVP ist wertvoll, wenn es frühzeitig zeigt, dass die Richtung falsch ist. Die besten Erfolgsindikatoren: Zahlungsbereitschaft, Wiederkehrrate und die Aussage „Ich wäre sehr enttäuscht, wenn es das nicht mehr gäbe“.
Schadet ein einfaches MVP dem Markenimage?
Nur wenn Sie es falsch kommunizieren. Transparenz hilft: „Wir sind in der Betaphase und suchen Early Adopters“ zieht die richtigen Testkunden an. Early Adopters erwarten keine Perfektion – sie wollen Innovation. Für Premium-Marken kann ein Concierge-MVP den persönlichen Touch sogar verstärken.