Was ist Venture Building?
Venture Building (auch Company Building oder Startup Studio) beschreibt den systematischen, wiederholbaren Prozess, neue Unternehmen zu gründen und aufzubauen. Dabei nutzt eine spezialisierte Organisation – der Venture Builder – Erfahrung, Methoden, Ressourcen und Netzwerke, um Startups schneller und erfolgreicher zum Markt zu bringen.
Der Ansatz unterscheidet sich grundlegend von Acceleratoren oder Inkubatoren: Venture Builder sind Mitgründer und stellen oft das initiale Team, die Infrastruktur und die Startfinanzierung. Sie sind operativ beteiligt und nicht nur beratend oder finanzierend tätig. Bekannte Venture Builder weltweit sind Rocket Internet, Idealab und eFounders.
Venture-Building-Modelle
Es gibt verschiedene Ausprägungen des Venture Buildings:
- Independent Venture Builder / Startup Studios: Eigenständige Organisationen, die serielle Unternehmensgründung betreiben – mit eigenem Team, eigener Finanzierung und einem Portfolio von Ventures
- Corporate Venture Builder: Abteilungen in Konzernen und mittelständischen Unternehmen, die neue Geschäftsfelder als eigenständige Ventures aufbauen
- Venture Builder as a Service: Externe Partner, die den Venture-Building-Prozess für Unternehmen durchführen – Kombination aus Beratung und operativer Umsetzung
Alle Modelle eint: die serielle Anwendung erprobter Methoden wie Lean Startup, Design Thinking und agile Methoden, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und zu validieren.
Der Venture-Building-Prozess
- Opportunity Identification: Systematische Suche nach Marktchancen – durch Zielgruppenanalyse, Wettbewerbsanalyse und Trend-Screening
- Ideation & Validation: Geschäftsideen generieren und mit Jobs-to-be-Done-Interviews und Rapid Prototyping validieren
- Business Model Design: Business Model Canvas, Value Proposition Design und Lean Canvas für die Modellierung nutzen
- MVP & Product-Market Fit: Minimal Viable Product bauen und iterativ zum Product-Market Fit entwickeln
- Team Building: Dediziertes Gründungsteam zusammenstellen – mit unternehmerischem Mindset und Fachexpertise
- Scaling: Bei nachgewiesenem PMF die Skalierung starten – mit Wachstumsfinanzierung und klarer Pricing-Strategie
Corporate Venture Building
Für etablierte Unternehmen bietet Corporate Venture Building strategische Vorteile:
- Neue Geschäftsfelder: Außerhalb der bestehenden Strukturen neue Märkte erschließen – ohne das Kerngeschäft zu gefährden
- Innovationsgeschwindigkeit: Startup-Methoden und -Geschwindigkeit innerhalb des Unternehmensumfelds nutzen
- Talent-Anziehung: Unternehmerisch denkende Mitarbeiter finden in Venture-Building-Teams eine attraktive Alternative zur klassischen Karriere
- Asset-Nutzung: Bestehende Kundenbeziehungen, Daten, Marke und Expertise als unfairen Vorteil nutzen
- Open Innovation: Externe Ideen und Partnerschaften systematisch in neue Ventures überführen
Der Schlüssel zum Erfolg: ausreichende Autonomie des Venture-Teams bei gleichzeitiger Anbindung an die Ressourcen des Mutterunternehmens. Change Management ist entscheidend, um interne Widerstände zu überwinden.
Vorteile gegenüber klassischer Gründung
- Höhere Erfolgsquote: Serielle Erfahrung und erprobte Prozesse reduzieren typische Gründungsfehler
- Schnellere Time-to-Market: Bestehende Infrastruktur, Templates und Prozesse beschleunigen den Aufbau
- Shared Services: Legal, Finance, HR und Marketing werden zentral bereitgestellt
- Netzwerkeffekte: Zugang zu Investoren, Kunden und Experten aus dem Portfolio
- Risikominimierung: Systematische Validierung vor großen Investitionen
Erfolgsfaktoren
- Klare Investitionsthese: In welchen Bereichen und mit welchen Geschäftsmodellen wird gebaut?
- Starkes Kernteam: Serielle Gründererfahrung und funktionale Expertise im Venture-Building-Team
- Disziplinierte Validierung: Kill-Kriterien für jede Phase – nicht an schwachen Ideen festhalten
- Unternehmerische Autonomie: Die Ventures brauchen Freiheit, schnell zu entscheiden und zu iterieren
- Langfristiges Commitment: Venture Building braucht Geduld – die ersten Erfolge zeigen sich oft erst nach 2–3 Jahren
Wir unterstützen Sie beim Venture Building – von der Opportunity-Analyse bis zur Skalierung neuer Ventures.
Häufige Fragen zum Venture Building
Was ist der Unterschied zwischen Venture Builder und Inkubator?
Ein Inkubator unterstützt externe Gründer mit Infrastruktur und Beratung. Ein Venture Builder gründet selbst: Er generiert die Ideen, stellt das initiale Team und ist als Mitgründer operativ beteiligt. Venture Builder haben typischerweise einen höheren Anteil am Unternehmen und mehr Einfluss auf die strategische Richtung.
Für welche Unternehmen eignet sich Corporate Venture Building?
Besonders für mittelständische Unternehmen und Konzerne, die neue Wachstumsfelder erschließen möchten, ohne das Kerngeschäft zu gefährden. Voraussetzung: Bereitschaft zur Investition (Budget und Zeit), unternehmerisches Talent im Haus und die Akzeptanz, dass nicht jedes Venture erfolgreich sein wird.
Wie lange dauert es, ein Venture aufzubauen?
Typisch: 3–6 Monate für Validierung und MVP, 12–18 Monate bis zum Product-Market Fit, 2–3 Jahre bis zur nachhaltigen Skalierung. Venture Builder können diese Zeiträume durch Erfahrung und Ressourcen verkürzen, aber nicht dramatisch abkürzen.
Was kostet Venture Building?
Die Investition variiert stark: Die Validierungsphase liegt bei 50.000–200.000 Euro pro Venture. Bis zum Product-Market Fit werden typischerweise 500.000–2 Mio. Euro benötigt. Corporate Venture Builder sollten mit einem Jahresbudget von mindestens 1–3 Mio. Euro planen, um ein Portfolio von 2–4 Ventures parallel zu entwickeln.