Was ist eine Wettbewerbsanalyse?
Die Wettbewerbsanalyse (auch Konkurrenzanalyse) ist ein strategisches Instrument, um den Wettbewerb systematisch zu erfassen und zu bewerten. Sie untersucht direkte und indirekte Konkurrenten hinsichtlich ihrer Produkte, Preise, Stärken, Schwächen, Strategien und Marktanteile.
Als Teil der strategischen Planung liefert sie unverzichtbare Erkenntnisse für Markenpositionierung, Geschäftsmodell-Innovation und die Entwicklung einer differenzierenden USP. Michael Porters Five-Forces-Modell gehört zu den bekanntesten Frameworks für die Wettbewerbsanalyse.
Ziele und Nutzen
Eine fundierte Wettbewerbsanalyse verfolgt mehrere strategische Ziele:
- Differenzierung: Verstehen, was die Konkurrenz bietet – und wo Lücken für die eigene Positionierung liegen
- Marktchancen erkennen: Unbediente Kundenbedürfnisse und unterversorgte Marktsegmente identifizieren
- Bedrohungen antizipieren: Frühzeitig auf neue Wettbewerber, disruptive Innovationen oder veränderte Marktdynamiken reagieren
- Preisgestaltung: Die eigene Pricing-Strategie am Markt ausrichten
- Benchmarking: Die eigene Leistung an den Besten der Branche messen
- Investorenüberzeugen: Im Pitch Deck zeigen, dass Sie den Markt verstehen
Methoden und Frameworks
Verschiedene erprobte Methoden strukturieren die Analyse:
- Porter’s Five Forces: Analysiert fünf Wettbewerbskräfte – Rivalität, neue Marktteilnehmer, Substitutionsprodukte, Lieferantenmacht und Kundenmacht
- SWOT-Analyse: Stärken, Schwächen, Chancen und Bedrohungen – für jeden Wettbewerber und das eigene Unternehmen
- Strategische Gruppenanalyse: Clustert Wettbewerber nach ähnlichen Strategien (z. B. Premium vs. Discount)
- Blue Ocean Strategy Canvas: Vergleicht Wettbewerber anhand relevanter Nutzenfaktoren – und zeigt Differenzierungspotenzial
- Benchmarking: Systematischer Vergleich von Prozessen, Produkten und Kennzahlen mit den Besten der Branche
- Perceptual Mapping: Visualisiert die Marktpositionierung aller relevanten Wettbewerber auf zwei Achsen
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Wettbewerber identifizieren: Direkte Konkurrenten (gleiches Angebot), indirekte (alternatives Angebot) und potenzielle (neue Marktteilnehmer). Denken Sie auch an Substitutionsprodukte
- Analysedimensionen festlegen: Produkt, Preis, Vertrieb, Marketing, Kundenbewertungen, Marktanteil, Stärken, Schwächen, Geschäftsmodell
- Daten sammeln: Websites, Social Media, Pressemitteilungen, Branchenberichte, Kundenbewertungen, Stellenausschreibungen (zeigen strategische Richtung)
- Analyse durchführen: Daten strukturiert auswerten – Wettbewerbsmatrix erstellen, Muster erkennen, Jobs-to-be-Done der Kunden verstehen
- Schlüsse ziehen: Wo liegen Chancen? Wo Bedrohungen? Wo kann die eigene Value Proposition differenzieren?
- Maßnahmen ableiten: Ergebnisse in konkrete strategische Entscheidungen übersetzen
Digitale Wettbewerbsanalyse
Im digitalen Zeitalter stehen zahlreiche Datenquellen und Tools zur Verfügung:
- SEO-Analyse: Keywords, Rankings, Backlink-Profile und Content-Strategien der Konkurrenz analysieren
- Social-Media-Monitoring: Reichweite, Engagement und Tonalität der Wettbewerber-Kommunikation beobachten
- Website-Analyse: Traffic-Schätzungen, Technologie-Stack und Conversion-Elemente vergleichen
- Review-Mining: Kundenbewertungen auf Google, Trustpilot und Branchenportalen systematisch auswerten
- Preismonitoring: Preise und Angebote der Konkurrenz kontinuierlich beobachten
Digitale Wettbewerbsanalyse liefert objektive Daten, die klassische Marktforschung ergänzen.
Ergebnisse nutzen: Von der Analyse zur Strategie
Die Analyse ist nur der erste Schritt. So nutzen Sie die Ergebnisse strategisch:
- Positionierung schärfen: Welche Position ist noch unbesetzt? Wo können Sie Nischenführer werden?
- Geschäftsmodell innovieren: Welche Modelle nutzen Wettbewerber? Gibt es Potenzial für Plattformmodelle oder Servitization?
- Zielgruppen neu bewerten: Gibt es Kundensegmente, die von der Konkurrenz vernachlässigt werden?
- Kontinuierlich beobachten: Wettbewerbsanalyse ist keine einmalige Aufgabe, sondern ein fortlaufender Prozess
Typische Fehler vermeiden
- Nur direkte Konkurrenz analysieren: Indirekte Wettbewerber und Substitutionsprodukte werden oft übersehen
- Daten ohne Interpretation: Sammeln allein reicht nicht – die strategische Einordnung ist entscheidend
- Einmalige Analyse: Märkte verändern sich – die Analyse muss regelmäßig aktualisiert werden
- Kopieren statt Differenzieren: Die Analyse soll Lücken aufzeigen, nicht dazu verleiten, Wettbewerber zu imitieren
- Eigene Stärken ignorieren: Die Wettbewerbsanalyse muss immer mit der Analyse der eigenen Stärken kombiniert werden
Wir unterstützen Sie mit datenbasierten Analysen und strategischer Beratung für Ihre Differenzierung im Markt.
Häufige Fragen zur Wettbewerbsanalyse
Wie oft sollte eine Wettbewerbsanalyse durchgeführt werden?
Eine umfassende Analyse sollte mindestens jährlich erfolgen. Digitale Monitoring-Maßnahmen (SEO, Social Media, Preise) sollten laufend oder quartalsweise aktualisiert werden. Bei Marktveränderungen oder vor strategischen Entscheidungen ist eine Ad-hoc-Analyse empfehlenswert.
Welche Tools eignen sich für die Wettbewerbsanalyse?
Für SEO-Analyse: Ahrefs, Semrush, Sistrix. Für Social Media: Hootsuite, Brandwatch. Für Traffic-Schätzungen: SimilarWeb. Für allgemeine Recherche: Google Alerts, Crunchbase. Die Wahl hängt von Branche, Budget und Analysetiefe ab.
Wie viele Wettbewerber sollte ich analysieren?
Fokussieren Sie sich auf 5–10 relevante Wettbewerber: 3–5 direkte Konkurrenten, 2–3 indirekte und 1–2 potenzielle neue Marktteilnehmer. Tiefe ist wichtiger als Breite – eine fundierte Analyse weniger Wettbewerber ist wertvoller als eine oberflächliche Analyse von 50.
Was ist der Unterschied zwischen Wettbewerbs- und Marktanalyse?
Die Marktanalyse untersucht den Gesamtmarkt – Größe, Wachstum, Trends, Kundensegmente. Die Wettbewerbsanalyse fokussiert sich auf die Akteure im Markt – ihre Strategien, Stärken und Schwächen. Beide ergänzen sich und bilden zusammen die Grundlage für strategische Entscheidungen.