MVP (Minimum Viable Product)
Definition
Ein MVP (Minimum Viable Product) ist die einfachste Version eines Produkts, mit der Sie die wichtigsten Annahmen über Kundenbedürfnisse testen können. Das Ziel ist maximales Lernen mit minimalem Aufwand – nicht ein halbfertiges Produkt, sondern ein vollständiger Lernzyklus.
Das Missverständnis über MVPs
Viele verwechseln MVP mit „Version 1.0“ oder „Beta“. Ein MVP ist fundamentaler:
– Es ist kein schlechtes Produkt, sondern ein schnelles Experiment
– Es muss nicht funktionieren, es muss lernen helfen
– Es kann ein Prototyp, Video, Landing Page oder Concierge-Service sein
– Der „Minimum“ Teil bezieht sich auf Aufwand, nicht auf Qualität des Lernens
Bei Point of New entwickeln wir MVPs als zentralen Baustein von Lean Startup Projekten und Geschäftsmodell-Innovation.
Arten von MVPs
Concierge MVP: Sie liefern den Service manuell, bevor Sie automatisieren. Zappos-Gründer kaufte Schuhe im Laden und verschickte sie selbst.
Wizard of Oz MVP: Das Frontend sieht automatisch aus, aber im Hintergrund arbeiten Menschen. Frühe Versionen von AI-Assistenten funktionierten so.
Landing Page MVP: Eine Seite erklärt das Produkt und misst Interesse durch E-Mail-Signups oder Vorbestellungen.
Video MVP: Dropbox zeigte ein Demo-Video und gewann 75.000 Interessenten, bevor das Produkt existierte.
Single Feature MVP: Eine App mit nur einer Funktion, die das Kernproblem löst. Instagram startete als reine Foto-Filter-App.
Ein gutes MVP entwickeln
Schritt 1 – Hypothese formulieren: Was genau wollen Sie lernen? „Kunden wollen X“ ist zu vage. „Berufstätige Eltern zahlen 10€/Monat für Zeitersparnis bei Y“ ist testbar.
Schritt 2 – Minimum definieren: Was ist das Wenigste, das Sie bauen müssen, um diese Hypothese zu testen?
Schritt 3 – Erfolgskriterien festlegen: Welche Zahlen würden Ihre Hypothese bestätigen oder widerlegen?
Schritt 4 – Bauen und launchen: Schnell, nicht perfekt. Schönheit kommt später.
Schritt 5 – Messen und lernen: Harte Daten auswerten, ehrlich sein, Konsequenzen ziehen.
MVP und Value Proposition
Ihr MVP testet Ihre Value Proposition. Deshalb muss es trotz Minimal-Aufwand das Kernversprechen erfüllen. Ein MVP für „schnelle Lieferung“ muss schnell liefern – auch wenn die Produktauswahl anfangs klein ist.
Wann ist ein MVP zu minimal?
Wenn Sie nichts lernen können. Warnsignale:
– Nutzer verstehen nicht, was sie bekommen
– Keine klare Handlung möglich (kaufen, anmelden, nutzen)
– Zu viele Variablen, um Ergebnisse zu interpretieren
Wann ist ein MVP zu viel?
Wenn Sie mehr bauen als nötig. Warnsignale:
– „Wir brauchen noch dieses Feature vor dem Launch“
– Entwicklung dauert Monate
– Angst vor Feedback („Es ist noch nicht fertig“)
Von MVP zu Produkt
Ein erfolgreiches MVP ist erst der Anfang:
– Validiert: Hypothese bestätigt → mehr Features, mehr Kunden
– Invalidiert: Pivot nötig → zurück zu Hypothese
– Unklar: Weiteres MVP nötig mit klareren Kriterien
Der Weg zum Product-Market Fit führt durch mehrere MVP-Iterationen.
Häufige Fragen
Kann ein MVP auch bei physischen Produkten funktionieren?
Ja! Crowdfunding-Kampagnen sind MVPs. 3D-gedruckte Prototypen sind MVPs. Ein Concierge-Service, der manuell liefert, ist ein MVP.
Wie viel Zeit sollte in ein MVP fließen?
Wochen, nicht Monate. Wenn Sie länger brauchen, überdenken Sie, ob es wirklich minimal ist. Die erste Version von Twitter wurde in zwei Wochen gebaut.
Was, wenn Wettbewerber unsere Idee kopieren?
Geschwindigkeit schützt besser als Geheimniskrämerei. Und: Eine Idee ohne Umsetzung ist wertlos. Ihr Lernen ist der echte Vorsprung.
Wie viele Nutzer braucht ein MVP zum Testen?
Weniger als Sie denken. Für qualitative Insights reichen 5-10 echte Nutzer. Für quantitative Validierung abhängig von der Frage – aber starten Sie lieber früh mit wenigen als spät mit vielen.
