Pivot
Definition
Ein Pivot ist eine strategische Kurskorrektur, bei der ein Unternehmen seine Hypothese über Produkt, Geschäftsmodell oder Zielgruppe fundamental ändert – basierend auf validiertem Lernen aus dem Markt. Es ist kein Scheitern, sondern intelligente Anpassung.
Pivot vs. Scheitern vs. Beharrlichkeit
Scheitern: Aufgeben ohne Lernen
Beharrlichkeit (Persevere): Weitermachen, weil Daten positiv sind
Pivot: Kurs ändern, weil Daten zeigen, dass der aktuelle Weg nicht funktioniert – aber die Vision noch Potenzial hat
Der Pivot ist ein zentrales Konzept des Lean Startup. Eric Ries sagt: „Startups, die einmal pivoten, sind erfolgreicher. Die zweimal pivoten noch erfolgreicher. Die dreimal pivoten noch mehr.“
Wann ist ein Pivot nötig?
Signale, dass Sie über einen Pivot nachdenken sollten:
– MVP-Tests zeigen konstant schwaches Interesse
– Kunden nutzen nur einen Teil Ihres Produkts (und den intensiv)
– Sie erreichen Kunden, aber nicht die ursprüngliche Zielgruppe
– Wachstum stagniert trotz aller Bemühungen
– Ein Feature wird beliebter als das Hauptprodukt
Arten von Pivots
Zoom-in Pivot: Ein Feature wird zum ganzen Produkt. Instagram pivotierte von der App „Burbn“ (viele Features) zu nur Foto-Sharing.
Zoom-out Pivot: Das Produkt wird Teil von etwas Größerem. Ein einzelnes Tool wird zur Plattform.
Kundensegment-Pivot: Sie behalten das Produkt, aber ändern die Zielgruppe. Slack war ursprünglich ein internes Tool einer Gaming-Firma.
Kundenbedürfnis-Pivot: Sie behalten die Zielgruppe, lösen aber ein anderes Problem.
Plattform-Pivot: Von einer Anwendung zur Plattform oder umgekehrt.
Geschäftsmodell-Pivot: Von Einmalverkauf zu Subscription, von B2C zu B2B, etc. Das ist Geschäftsmodell-Innovation.
Kanal-Pivot: Andere Vertriebswege nutzen.
Technologie-Pivot: Gleiche Lösung mit anderer Technologie.
Berühmte Pivots
YouTube: Startete als Video-Dating-Seite. Niemand lud Dating-Videos hoch – aber andere Videos. Pivot zur allgemeinen Video-Plattform.
Twitter: Begann als Podcast-Plattform „Odeo“. Als iTunes Podcasts integrierte, pivotierte das Team zu einem Kurznachrichten-Dienst.
Shopify: Ursprünglich ein Online-Shop für Snowboards. Das selbstgebaute Shop-System wurde zum eigentlichen Produkt.
Groupon: Begann als Plattform für kollektives Aktivismus („The Point“). Pivot zum Deal-des-Tages-Modell.
Einen Pivot erfolgreich durchführen
Schritt 1: Ehrliche Analyse der Daten. Sind wir auf dem Weg zu Product-Market Fit oder nicht?
Schritt 2: Hypothesen aus dem Gelernten ableiten. Was hat funktioniert? Was war falsch?
Schritt 3: Pivot-Optionen entwickeln. Nutzen Sie das Business Model Canvas für verschiedene Szenarien.
Schritt 4: Neues MVP für die neue Richtung entwickeln und testen.
Schritt 5: Team und Stakeholder mitnehmen. Ein Pivot ist keine Niederlage, sondern ein Lernfortschritt.
Pivot-Falle: Zu früh oder zu spät
Zu früh pivoten: Bei den ersten Schwierigkeiten aufgeben. Manchmal braucht es mehr Zeit oder bessere Umsetzung.
Zu spät pivoten: An einer toten Idee festhalten aus emotionaler Bindung. „Wir haben so viel investiert“ ist kein guter Grund weiterzumachen.
Regelmäßige „Pivot or Persevere“-Meetings helfen, diese Frage systematisch zu beantworten.
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich ein Pivot von „normaler“ Produktentwicklung?
Ein Pivot ändert fundamentale Annahmen – Zielgruppe, Problem oder Geschäftsmodell. Normale Iteration verbessert innerhalb der bestehenden Strategie.
Wie kommuniziert man einen Pivot an Investoren?
Mit Daten: Zeigen Sie, was Sie gelernt haben und warum die neue Richtung vielversprechender ist. Gute Investoren wissen: Pivots gehören zum Startup-Leben.
Kann ein etabliertes Unternehmen pivoten?
Ja – Netflix (DVD zu Streaming), Nintendo (Spielkarten zu Videospielen), Nokia (Papier zu Telekommunikation). Bei Konzernen heißt es oft „strategische Neuausrichtung“.
Wie viele Pivots sind zu viele?
Es gibt keine magische Zahl. Entscheidend ist, ob Sie bei jedem Pivot systematisch lernen und einer klaren Vision folgen – oder planlos herumirren.
