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Plattformökonomie

Plattformökonomie

Was ist Plattformökonomie?

Plattformökonomie bezeichnet Wirtschaftsmodelle, bei denen digitale Plattformen als Intermediäre verschiedene Nutzergruppen zusammenbringen und Wertschöpfung durch die Interaktion dieser Gruppen ermöglichen. Statt selbst Produkte herzustellen, schaffen Plattformen Marktplätze, auf denen andere Wert erzeugen und austauschen.

Die wertvollsten Unternehmen der Welt – Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta – sind allesamt Plattformunternehmen. Plattformen haben traditionelle Industrien transformiert: von Medien (YouTube) über Handel (Amazon) bis zu Mobilität (Uber) und Unterkunft (Airbnb). Das Verständnis der Plattformökonomie ist essentiell für jede Geschäftsstrategie.

Typen von Plattformen

Transaktionsplattformen

Vermitteln Austausch zwischen Nutzern: Marktplätze wie Amazon, eBay, Airbnb oder Uber. Sie verdienen typischerweise durch Transaktionsgebühren oder Vermittlungsprovisionen.

Innovationsplattformen

Stellen Technologien bereit, auf denen andere aufbauen: iOS und Android als Mobile-Plattformen, AWS als Cloud-Plattform. Sie ermöglichen Drittanbietern, komplementäre Produkte zu entwickeln.

Soziale Plattformen

Ermöglichen Interaktion und Content-Sharing: Facebook, Instagram, LinkedIn, TikTok. Sie monetarisieren meist über Werbung, die auf Nutzerdaten basiert.

Hybride Plattformen

Kombinieren mehrere Typen: Amazon ist Marktplatz, Cloud-Anbieter (AWS) und produziert eigene Produkte. Apple kombiniert Hardware mit iOS-Plattform und Services.

Netzwerkeffekte: Der Motor der Plattformökonomie

Direkte Netzwerkeffekte

Mehr Nutzer machen die Plattform für alle Nutzer wertvoller. Beispiel WhatsApp: Je mehr Freunde die App nutzen, desto nützlicher wird sie für jeden einzelnen.

Indirekte Netzwerkeffekte

Mehr Nutzer auf einer Seite ziehen mehr Nutzer auf der anderen Seite an. Beispiel Airbnb: Mehr Unterkünfte ziehen mehr Reisende an, was wiederum mehr Gastgeber anzieht.

Daten-Netzwerkeffekte

Mehr Nutzung generiert mehr Daten, die das Produkt verbessern. Beispiel Google: Jede Suchanfrage verbessert den Algorithmus, was mehr Nutzer anzieht.

Winner-takes-all-Dynamik

Netzwerkeffekte führen oft zu Marktkonzentration. Erfolgreiche Plattformen wachsen schneller als Wettbewerber – ein selbstverstärkender Kreislauf. Deshalb dominieren in vielen Plattformmärkten ein oder zwei Spieler:

  • Social Media: Meta (Facebook, Instagram, WhatsApp)
  • Suche: Google (>90% Marktanteil)
  • E-Commerce: Amazon (in westlichen Märkten)
  • Mobile: iOS und Android (>99% zusammen)

Allerdings können auch Nischen-Plattformen in spezifischen Segmenten erfolgreich sein, wenn sie differenzierte Wertversprechen bieten.

Plattform-Strategien für Unternehmen

1. Plattform aufbauen

Eigene Plattform gründen erfordert Lösung des Henne-Ei-Problems: Wie zieht man Nutzer an, wenn noch keine da sind? Strategien: Subventionierung einer Seite, hochwertiger Kern-Content, Fokus auf eine Nische.

2. Plattformen nutzen

Als Anbieter auf bestehenden Plattformen präsent sein: Amazon Marketplace, Booking.com, App Stores. Vorteil: Zugang zu Nutzern. Risiko: Abhängigkeit von der Plattform.

3. Multi-Plattform-Strategie

Nicht von einer Plattform abhängig machen. Eigene Kanäle (Website, CRM) parallel zu Plattformaktivitäten aufbauen und pflegen.

4. Plattform-Partnerschaften

Kooperation mit Plattformen als privilegierter Partner. Beispiel: Integration in deren Ökosystem oder Co-Marketing-Vereinbarungen.

B2B-Plattformen im Aufstieg

Während B2C-Plattformen bereits dominant sind, stehen B2B-Märkte noch am Anfang der Plattformisierung:

  • Industrial Marketplaces: B2B-Handelsplattformen für Industriegüter
  • Data Platforms: Austausch von Industrie- und Maschinendaten
  • Service Platforms: Vermittlung von B2B-Dienstleistungen
  • Collaboration Platforms: Plattformen für unternehmensübergreifende Zusammenarbeit

Für den innovativen Mittelstand ergeben sich hier Chancen: als frühe Nutzer, als Mitgründer von Branchenplattformen oder als Spezialanbieter auf Plattformen.

Herausforderungen und Risiken

Regulierung

Die Marktmacht großer Plattformen ruft Regulatoren auf den Plan. Der EU Digital Markets Act und ähnliche Gesetze schränken Praktiken dominanter Plattformen ein.

Abhängigkeit

Anbieter auf Plattformen sind von deren Regeln abhängig. Algorithmus-Änderungen oder Gebührenerhöhungen können Geschäftsmodelle gefährden.

Multihoming

Nutzer können mehrere konkurrierende Plattformen gleichzeitig nutzen. Dies schwächt Winner-takes-all-Dynamiken und ermöglicht Koexistenz mehrerer Plattformen.

Fazit: Plattformen verstehen und nutzen

Die Plattformökonomie hat die Spielregeln vieler Märkte fundamental verändert. Unternehmen müssen Plattform-Dynamiken verstehen, um ihre Strategie entsprechend auszurichten – sei es durch eigene Plattformen, kluge Nutzung bestehender Plattformen oder Hybrid-Strategien. Die Fähigkeit, in der Plattformökonomie zu navigieren, wird zum strategischen Wettbewerbsfaktor.

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