Was ist Blue Ocean Strategy? – Definition
Die Blue Ocean Strategy (deutsch: Strategie des blauen Ozeans) ist ein strategisches Management-Framework, das 2005 von den INSEAD-Professoren W. Chan Kim und Renée Mauborgne in ihrem gleichnamigen Bestseller vorgestellt wurde. Es basiert auf einer grundlegenden Erkenntnis: Dauerhafter Erfolg entsteht nicht durch den Kampf gegen Wettbewerber, sondern durch die Schaffung neuer Märkte.
Die Metapher ist einprägsam: In „roten Ozeanen“ kämpfen Unternehmen in bestehenden Branchen um begrenzte Nachfrage – das Wasser ist rot vom Wettbewerb. In „blauen Ozeanen“ schaffen Unternehmen neue Nachfrage in unumkämpften Märkten – klares, tiefes Wasser mit enormem Wachstumspotenzial.
Im Kontext von Geschäftsmodell-Innovation ist Blue Ocean Strategy ein mächtiges Werkzeug: Es hilft Unternehmen, radikal neue Wertversprechen zu entwickeln, die bestehende Branchengrenzen überschreiten und neue Kundengruppen erschließen.
Red Ocean vs. Blue Ocean: Der fundamentale Unterschied
| Kriterium | Red Ocean | Blue Ocean |
|---|---|---|
| Markt | Bestehende Branche | Neuer Marktraum |
| Wettbewerb | Konkurrenten schlagen | Wettbewerb irrelevant machen |
| Nachfrage | Bestehende Nachfrage teilen | Neue Nachfrage schaffen |
| Strategie | Differenzierung ODER Kosten | Differenzierung UND Kosten |
| Fokus | Wettbewerber beobachten | Nicht-Kunden verstehen |
| Wachstum | Begrenzt durch Marktgröße | Potenziell unbegrenzt |
Die wichtigsten Blue Ocean Tools
Strategy Canvas (Strategische Kontur): Visualisiert, wie ein Unternehmen und seine Wettbewerber in den relevanten Wettbewerbsfaktoren abschneiden. Zeigt auf einen Blick, wo sich Angebote ähneln und wo Differenzierungspotenzial liegt.
Four Actions Framework: Vier Fragen, die neue Wertinnovationen erschließen: Was kann eliminiert werden? Was kann reduziert werden? Was kann gesteigert werden? Was kann neu geschaffen werden?
Six Paths Framework: Sechs Wege, um über Branchengrenzen hinauszudenken: Alternative Branchen, strategische Gruppen, Käufergruppen, komplementäre Produkte/Services, funktionale vs. emotionale Orientierung, Zeitverlauf.
Drei Ebenen der Nicht-Kunden: Analysiert drei Gruppen, die den bestehenden Markt (noch) nicht nutzen – und warum. Diese Nicht-Kunden sind das größte Wachstumspotenzial für Blue Oceans.
Das ERPC-Grid (Eliminate-Reduce-Raise-Create)
Das ERPC-Grid ist das operative Herzstück der Blue Ocean Strategy. Es übersetzt die strategische Analyse in konkrete Maßnahmen:
| Eliminate (Eliminieren) | Raise (Steigern) |
|---|---|
| Welche Branchenfaktoren, die als selbstverständlich gelten, sollten eliminiert werden? | Welche Faktoren sollten deutlich über den Branchenstandard gehoben werden? |
| Reduce (Reduzieren) | Create (Neu schaffen) |
| Welche Faktoren sollten unter den Branchenstandard reduziert werden? | Welche Faktoren, die die Branche noch nie angeboten hat, sollten geschaffen werden? |
Das ERPC-Grid zwingt Unternehmen, gleichzeitig Kosten zu senken (Eliminate/Reduce) und den Kundennutzen zu steigern (Raise/Create) – die Grundlage für Value Innovation.
Blue Ocean Strategy anwenden: 5 Schritte
- Strategy Canvas erstellen: Aktuelle Wettbewerbslandschaft visualisieren – wo positionieren sich Ihr Unternehmen und die Wettbewerber?
- Nicht-Kunden analysieren: Wer nutzt Ihre Branche nicht – und warum? Jobs-to-be-Done-Interviews helfen, unerfüllte Bedürfnisse zu entdecken
- Six Paths durchspielen: Systematisch über Branchengrenzen hinausdenken – in Innovationsworkshops mit cross-funktionalen Teams
- ERPC-Grid ausfüllen: Konkrete Maßnahmen für Eliminate, Reduce, Raise, Create definieren – das neue Geschäftsmodell-Muster entsteht
- Validieren und umsetzen: Das neue Wertangebot mit Lean Startup-Methoden am Markt testen und schrittweise skalieren
Blue Ocean in der Praxis
- Cirque du Soleil: Eliminierte Tiere und Starkünstler (Kostensenkung), schuf künstlerische Darbietung und gehobenes Ambiente (Wertinnovation) – und erschuf einen neuen Markt zwischen Zirkus und Theater
- Nintendo Wii: Statt im Grafikwettrennen mit PlayStation und Xbox zu konkurrieren, schuf Nintendo durch Bewegungssteuerung eine neue Kategorie für Nicht-Gamer
- IKEA: Eliminierte Lieferservice und Montage, reduzierte Beratung, steigerte Design, schuf Self-Service-Erlebnis – und machte stilvolle Möbel für alle erschwinglich
- Nespresso: Verwandelte den Kaffeemarkt durch ein Kapsel-System – Premium-Qualität zu Hause, einfach und schnell. Subscription-Modell für Kapseln als Erlösmodell
Blue Ocean Strategy für österreichische KMU
KMU sind oft besser für Blue Ocean Strategien positioniert als Großkonzerne:
- Nischenwissen: KMU kennen ihre Kunden oft besser als jeder Konzern – das tiefe Verständnis der Customer Journey ist die Basis für Wertinnovation
- Agilität: Neue Angebote können schnell getestet und angepasst werden – ohne jahrelange Strategieprozesse
- Branchen-Kombination: Gerade KMU an der Schnittstelle verschiedener Branchen können Synergien schaffen, die Großunternehmen übersehen
- Regionale Blue Oceans: Nicht jeder Blue Ocean muss global sein – auch auf regionaler Ebene gibt es unumkämpfte Markträume
Nutzen Sie die Blue Ocean Tools in Innovationsworkshops oder im Rahmen einer Innovationsberatung, um systematisch neue Wachstumschancen jenseits des bestehenden Wettbewerbs zu identifizieren.
Ihren Blue Ocean entdecken
Raus aus dem roten Ozean, rein in neues Wachstum. Wir begleiten Sie bei der Entwicklung einer Blue Ocean Strategy, die neue Markträume und Kundengruppen erschließt.
Häufige Fragen zur Blue Ocean Strategy
Was ist der Unterschied zwischen Blue Ocean Strategy und Disruption?
Beide Konzepte zielen auf neue Märkte ab, aber mit unterschiedlichem Fokus. Disruptive Innovation nach Christensen beschreibt einen Prozess, bei dem ein Newcomer mit einem zunächst unterlegenen Produkt ein etabliertes Unternehmen verdrängt – der Fokus liegt auf der Wettbewerbsdynamik. Blue Ocean Strategy fokussiert auf die Schaffung neuer Nachfrage durch Wertinnovation – unabhängig davon, ob bestehende Anbieter verdrängt werden. Blue Oceans können disruptiv sein, müssen es aber nicht.
Wie nachhaltig ist ein Blue Ocean? Wird er nicht zum Red Ocean?
Ja, jeder Blue Ocean wird langfristig zum Red Ocean, wenn Wettbewerber nachziehen. Die Frage ist, wie lange der Vorsprung hält. Blue Oceans sind schwerer zu kopieren, wenn sie auf einem einzigartigen Geschäftsmodell basieren (nicht nur auf einem Produktmerkmal), Netzwerkeffekte aufbauen oder eine starke Marke schaffen. Die beste Strategie: Kontinuierlich neue Blue Oceans suchen, bevor der aktuelle rot wird – Blue Ocean Strategy ist kein einmaliges Ereignis, sondern eine Denkweise.
Kann jedes Unternehmen einen Blue Ocean schaffen?
Im Prinzip ja – Blue Oceans wurden in allen Branchen geschaffen, von Zirkus bis Technologie, von Gastronomie bis Finanzdienstleistungen. Entscheidend ist die Bereitschaft, Branchenkonventionen in Frage zu stellen und den Fokus von Wettbewerbern auf Nicht-Kunden zu verschieben. Allerdings erfordert das Mut und Durchhaltevermögen, da Blue Ocean Strategien anfangs intern oft auf Skepsis stoßen.
Sollte ich mein Red Ocean Geschäft aufgeben?
Nein – Blue Ocean Strategy bedeutet nicht, bestehende Geschäfte aufzugeben. Die meisten erfolgreichen Unternehmen betreiben ein Portfolio aus Red-Ocean- und Blue-Ocean-Aktivitäten. Das Kerngeschäft (Red Ocean) liefert den Cashflow, während Blue-Ocean-Initiativen zukünftiges Wachstum sichern. Der Schlüssel liegt in der Balance und der bewussten Ressourcenallokation zwischen beiden Bereichen.