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Business Model Navigator

Kurz & knapp: Der Business Model Navigator ist ein Framework der Universität St. Gallen, das 55 wiederkehrende Geschäftsmodell-Muster identifiziert. Er hilft Unternehmen, systematisch neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, indem bewährte Muster aus anderen Branchen auf die eigene Situation übertragen werden – ein kreativer Shortcut für Geschäftsmodell-Innovation.

Was ist der Business Model Navigator?

Der Business Model Navigator (BMN) wurde von Prof. Oliver Gassmann, Karolin Frankenberger und Michaela Csik an der Universität St. Gallen entwickelt und 2014 publiziert. Die zentrale Erkenntnis ihrer Forschung: Rund 90 % aller Geschäftsmodell-Innovationen basieren auf der Rekombination von nur 55 wiederkehrenden Mustern.

Das bedeutet: Sie müssen das Rad nicht neu erfinden. Die erfolgreichsten Geschäftsmodelle der Welt – von Apple über Amazon bis Airbnb – basieren auf bekannten Mustern, die kreativ auf neue Kontexte übertragen wurden. Der Business Model Navigator macht diesen Prozess systematisch und zugänglich.

Im Vergleich zum Business Model Canvas, das ein bestehendes Geschäftsmodell beschreibt, ist der BMN ein generatives Tool: Er hilft aktiv bei der Erfindung neuer Geschäftsmodell-Muster.

Die 55 Geschäftsmodell-Muster

Die 55 Muster decken das gesamte Spektrum bekannter Geschäftsmodell-Innovationen ab. Einige der bekanntesten:

Muster Beschreibung Beispiel
Freemium Basisversion gratis, Premium kostenpflichtig Spotify, LinkedIn
Subscription Regelmäßige Zahlungen statt Einmalkauf Netflix, SaaS
Two-Sided Market Plattform verbindet zwei Nutzergruppen Airbnb, Uber
Razor and Blade Günstiges Basisprodukt, teure Verbrauchsmaterialien Nespresso, Drucker
Pay Per Use Bezahlung nur bei tatsächlicher Nutzung Car Sharing, Cloud
Open Business Wertschöpfung durch externe Beiträge Wikipedia, Linux
Long Tail Viele Nischenprodukte statt weniger Bestseller Amazon, Netflix
White Label Produkt wird unter fremder Marke verkauft Eigenmarken im Handel

Das Magische Dreieck der Geschäftsmodell-Innovation

Der BMN strukturiert jedes Geschäftsmodell über vier zentrale Dimensionen – das „Magische Dreieck“:

  • Wer? (Kunde): Wer sind die Zielkunden? Welche Buyer Personas werden adressiert?
  • Was? (Nutzenversprechen): Was wird dem Kunden angeboten? Welche Value Proposition wird geliefert?
  • Wie? (Wertschöpfungskette): Wie wird das Angebot erzeugt und geliefert? Welche Wertschöpfungskette und Partner sind nötig?
  • Warum? (Ertragsmechanik): Warum ist das Geschäftsmodell profitabel? Welches Erlösmodell und welche Kostenstruktur liegen zugrunde?

Innovation entsteht, wenn mindestens zwei dieser vier Dimensionen verändert werden. Das unterscheidet echte Geschäftsmodell-Innovation von bloßer Produktverbesserung.

BMN-Methodik: In 4 Schritten zum neuen Geschäftsmodell

  1. Initiierung: Aktuelles Geschäftsmodell mit dem Magischen Dreieck beschreiben. Dominante Branchenlogik identifizieren – welche Annahmen gelten als „Naturgesetz“ in Ihrer Branche?
  2. Ideation: Die 55 Muster als Inspiration nutzen: Welche Muster aus anderen Branchen könnten auf Ihren Kontext übertragen werden? In Innovationsworkshops systematisch durchspielen
  3. Integration: Vielversprechende Muster-Kombinationen zu einem konsistenten Geschäftsmodell zusammenführen. Mit Business Model Canvas detaillieren
  4. Implementierung: Das neue Modell mit Lean Startup-Methodik validieren, Product-Market Fit suchen und schrittweise umsetzen

Muster-Transfer in der Praxis

Die Kraft des BMN liegt im branchenübergreifenden Transfer:

  • Rolls Royce → Software: „Power by the Hour“ (Pay per Use für Flugzeugtriebwerke) → SaaS-Subscription-Modelle
  • Gillette → Drucker: „Razor and Blade“ (günstiger Rasierer, teure Klingen) → günstiger Drucker, teure Tintenpatronen
  • Airbnb → Maschinen: „Two-Sided Market“ (Wohnungsvermittlung) → Maschinen-Sharing-Plattformen für Industrie 4.0
  • Spotify → Maschinenbau: „Freemium + Subscription“ (Musik-Streaming) → Equipment-as-a-Service (Servitization)

Business Model Navigator vs. Business Model Canvas

Kriterium Business Model Canvas Business Model Navigator
Funktion Beschreibung Generierung/Inspiration
Frage Wie sieht unser GM aus? Welches GM könnten wir nutzen?
Ansatz 9 Bausteine ausfüllen 55 Muster als Inspiration
Einsatz Analyse, Kommunikation Ideation, Innovation

In der Praxis ergänzen sich beide Tools ideal: Der BMN generiert Ideen, das BMC strukturiert und detailliert sie.

Business Model Navigator für KMU

Für österreichische KMU bietet der BMN einen besonders niedrigschwelligen Einstieg in die Geschäftsmodell-Innovation:

  • Inspiration statt Invention: Sie müssen nichts radikal Neues erfinden – sondern clever kombinieren und transferieren
  • Workshop-Format: In einem halbtägigen Innovationsworkshop können Sie 10–15 Muster auf Ihre Branche anwenden und 5–10 neue Geschäftsmodell-Ideen generieren
  • Branchentransfer: Was in einer Branche revolutionär ist, kann in Ihrer Standard sein – und umgekehrt. Die Perspektive über den Tellerrand ist der Schlüssel
  • Validierung: Vielversprechende Muster-Kombinationen mit Lean Startup-Methodik am Markt testen

Innovationsberatung und Innovations-Coaching helfen, den BMN-Prozess zu moderieren und die Ergebnisse in umsetzbare Strategien zu überführen.

Neue Geschäftsmodelle systematisch entwickeln

Mit dem Business Model Navigator und 55 bewährten Mustern entwickeln wir gemeinsam innovative Geschäftsmodell-Ideen für Ihr Unternehmen – in einem kompakten Workshop-Format.

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Häufige Fragen zum Business Model Navigator

Muss ich alle 55 Muster kennen, um den BMN zu nutzen?

Nein. In der Praxis arbeiten die meisten Teams mit einer Auswahl von 10–15 Mustern, die für ihre Branche und Situation besonders relevant sind. Ein erfahrener Moderator oder Berater hilft, die passenden Muster auszuwählen und den Workshop effizient zu gestalten.

Wie unterscheidet sich der BMN von Brainstorming?

Brainstorming ist unstrukturiert und liefert oft oberflächliche Ideen. Der BMN ist strukturiert und musterbasiert: Er gibt dem kreativen Prozess eine Richtung, indem er bewährte Geschäftsmodell-Muster als Denkimpulse nutzt. Das Ergebnis: konsistentere, umsetzbarere Geschäftsmodell-Ideen statt loser Einfälle.

Kann ich mehrere Muster kombinieren?

Ja – und genau das ist der Schlüssel. Die innovativsten Geschäftsmodelle kombinieren typischerweise 2–4 Muster. Apple kombiniert z. B. Razor and Blade (günstiges iPhone, teurer App Store), Lock-in (Apple-Ökosystem) und Experience Selling (Apple Store). Die Kunst liegt in der stimmigen Kombination.

Gibt es den BMN als Kartenset oder Tool?

Ja. Die Universität St. Gallen bietet die 55 Muster als Kartenset (BMI Pattern Cards) an – ideal für Workshop-Settings. Zusätzlich gibt es digitale Tools und Apps, die den BMN-Prozess unterstützen. Das Buch „The Business Model Navigator“ (Gassmann, Frankenberger, Csik) liefert die theoretische Grundlage und zahlreiche Praxisbeispiele.

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