Definition: Was ist ein Erlösmodell?
Das Erlösmodell (englisch: Revenue Model) beschreibt die systematische Art und Weise, wie ein Unternehmen Umsatz erzielt. Es beantwortet die zentrale Frage: „Wofür zahlen Kunden – und wie?“ Im Business Model Canvas bildet es zusammen mit der Kostenstruktur die finanzielle Dimension des Geschäftsmodells.
Ein Erlösmodell umfasst dabei mehrere Komponenten: die Erlösquellen (welche Produkte oder Services generieren Umsatz), die Preismechanismen (Festpreis, dynamisch, auktionsbasiert), die Zahlungsströme (einmalig, wiederkehrend, nutzungsbasiert) und die Zahlungsbedingungen.
Wichtig ist die Abgrenzung: Das Erlösmodell ist ein Teilaspekt des gesamten Geschäftsmodells. Während das Geschäftsmodell auch Wertschöpfung, Kundenbeziehungen und Ressourcen beschreibt, fokussiert das Erlösmodell ausschließlich auf die Einnahmeseite.
Die wichtigsten Erlösmodell-Typen
Jedes erfolgreiche Unternehmen basiert auf einem oder mehreren der folgenden Erlösmodell-Typen:
Transaktionsbasierte Modelle
- Direktverkauf: Klassischer Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen gegen Einmalzahlung
- Handel / Reselling: Einkauf und Weiterverkauf mit Marge
- Lizenzierung: Einmalige oder periodische Gebühr für die Nutzung von IP, Software oder Technologie
Wiederkehrende Modelle
- Subscription / Abo: Regelmäßige Zahlungen für kontinuierlichen Zugang (z. B. SaaS, Streaming)
- Membership: Mitgliedsbeiträge für exklusive Vorteile und Community-Zugang
- Retainer: Feste monatliche Vergütung für laufende Beratungs- oder Service-Leistungen
Nutzungsbasierte Modelle
- Pay-per-Use: Abrechnung nach tatsächlicher Nutzung (z. B. Cloud Computing, Car-Sharing)
- Metered Pricing: Stufenweise Abrechnung nach Verbrauchsvolumen
- Provision / Kommission: Prozentuale Beteiligung an vermittelten Transaktionen (z. B. Plattform-Geschäftsmodelle)
Indirekte Modelle
- Freemium: Kostenlose Basis, Upselling auf Premium-Version
- Werbefinanziert: Kostenloser Service, Monetarisierung über Werbung (z. B. Google, Social Media)
- Datenmonetarisierung: Wertschöpfung aus gesammelten und analysierten Daten
Erlösmodell vs. Geschäftsmodell vs. Pricing
Diese drei Begriffe werden häufig verwechselt, beschreiben aber unterschiedliche Ebenen:
- Geschäftsmodell: Das Gesamtsystem – Wertversprechen, Zielkunden, Wertschöpfung UND Erlöse (→ Geschäftsmodell-Muster)
- Erlösmodell: Der Mechanismus der Umsatzgenerierung – WIE wird Geld verdient?
- Pricing-Strategie: Die konkrete Preisgestaltung – WIE VIEL wird verlangt?
Ein Unternehmen kann dasselbe Erlösmodell (z. B. Subscription) mit verschiedenen Pricing-Strategien umsetzen (Einheitspreis, gestaffelte Tarife, Value-based Pricing).
Erlösmodelle in der digitalen Wirtschaft
Die digitale Transformation hat völlig neue Erlösmodelle ermöglicht und bestehende radikal verändert:
- SaaS (Software as a Service): Kombination aus Subscription und Cloud-Delivery – das dominierende Modell der Software-Branche
- Plattform-Kommissionen: Plattformen wie Airbnb oder Uber verdienen an jeder vermittelten Transaktion
- API-Monetarisierung: Technische Schnittstellen als eigenständige Erlösquelle (z. B. Stripe, Twilio)
- Tokenisierung / Web3: Dezentrale Erlösmodelle über Blockchain-basierte Tokens und Smart Contracts
- Datengetriebene Modelle: Erlöse durch Datenanalyse, Insights und KI-gestützte Services
Ein wesentlicher Trend: Die Verschiebung von einmaligen zu wiederkehrenden Erlösen. Unternehmen mit Recurring Revenue werden an der Börse deutlich höher bewertet als solche mit einmaligen Transaktionen.
Das richtige Erlösmodell für KMU
Für kleine und mittlere Unternehmen ist die Wahl des richtigen Erlösmodells besonders kritisch:
- Diversifikation: Kombinieren Sie mehrere Erlösquellen, um Abhängigkeiten zu reduzieren
- Recurring Revenue: Bauen Sie wiederkehrende Einnahmen auf – das stabilisiert Cashflow und Planung
- Skalierbarkeit: Prüfen Sie, ob Ihr Erlösmodell ohne proportionalen Ressourcenaufwand wachsen kann
- Branchenfit: Nicht jedes Modell passt zu jeder Branche – analysieren Sie die Zahlungsbereitschaft Ihrer Zielgruppe
- Digitale Ergänzung: Prüfen Sie, ob digitale Geschäftsmodelle Ihr bestehendes Erlösmodell ergänzen können
Erlösmodell entwickeln: Schritt für Schritt
- Kundenproblem verstehen: Welchen Wert liefern Sie? Wofür würden Kunden zahlen? (Jobs-to-be-Done)
- Zahlungsbereitschaft testen: Validieren Sie mit Lean-Startup-Methoden, ob Kunden tatsächlich zahlen würden
- Erlösmodell-Typen prüfen: Welcher Mechanismus passt am besten zu Ihrem Wertversprechen?
- Pricing definieren: Legen Sie die konkrete Pricing-Strategie fest
- Unit Economics berechnen: Stimmen Customer Acquisition Cost (CAC), Customer Lifetime Value (CLV) und Margen?
- Testen und iterieren: Starten Sie mit einem MVP und optimieren Sie basierend auf echten Daten
Ihr Erlösmodell optimieren?
Wir helfen Ihnen, das passende Erlösmodell für Ihr Unternehmen zu finden und zu implementieren – für nachhaltiges Wachstum.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Erlösmodell und Geschäftsmodell?
Das Erlösmodell ist ein Teilaspekt des Geschäftsmodells. Es beschreibt spezifisch, wie ein Unternehmen Einnahmen generiert (z. B. Subscription, Lizenz, Pay-per-Use). Das Geschäftsmodell umfasst darüber hinaus auch das Wertversprechen, die Zielkunden, die Wertschöpfungskette und die Kostenstruktur.
Welches Erlösmodell eignet sich am besten für digitale Produkte?
Für digitale Produkte haben sich besonders SaaS-Subscription-Modelle, Freemium-Ansätze und nutzungsbasierte Modelle (Pay-per-Use) bewährt. Der Vorteil: Nahezu null Grenzkosten pro zusätzlichem Nutzer, hohe Skalierbarkeit und planbare wiederkehrende Einnahmen.
Kann ein Unternehmen mehrere Erlösmodelle gleichzeitig nutzen?
Ja, die Kombination mehrerer Erlösmodelle ist sogar empfehlenswert. Viele erfolgreiche Unternehmen nutzen hybride Ansätze – etwa Freemium plus Subscription (Spotify), Direktverkauf plus Service-Retainer (Maschinenbau) oder Plattform-Kommission plus Werbung (Amazon).
Wie finde ich das richtige Erlösmodell für mein KMU?
Starten Sie mit drei Fragen: (1) Wofür sind Ihre Kunden bereit zu zahlen? (2) Welche Zahlungsfrequenz passt zu Ihrem Angebot? (3) Wie skalierbar soll Ihr Modell sein? Testen Sie dann 2-3 Erlösmodell-Varianten mit kleinen Kundengruppen, bevor Sie sich festlegen.