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Unternehmensnachfolge

Kurzfassung: Die Unternehmensnachfolge ist der Prozess der Übergabe eines Unternehmens an die nächste Generation – familienintern, an Mitarbeiter oder externe Käufer. In Österreich stehen tausende KMU vor der Nachfolgefrage. Erfolgreiche Nachfolge verbindet strategische Planung, Geschäftsmodell-Weiterentwicklung und menschliche Faktoren.

Was ist Unternehmensnachfolge?

Die Unternehmensnachfolge umfasst die Übertragung der Geschäftsführung und/oder des Eigentums eines Unternehmens auf einen Nachfolger. Es ist einer der kritischsten Momente im Lebenszyklus eines Unternehmens – und gleichzeitig eine strategische Chance für Erneuerung.

In Österreich steht in den nächsten Jahren eine Nachfolgewelle an: Laut WKO sind tausende mittelständische Unternehmen betroffen. Rund ein Drittel aller Übergaben scheitert oder führt zur Schließung – oft weil zu spät geplant wird oder kein passender Nachfolger gefunden wird.

Formen der Nachfolge

  • Familieninterne Nachfolge: Übergabe an Kinder oder Verwandte – klassisch, aber nicht immer möglich oder sinnvoll
  • Management Buy-out (MBO): Übernahme durch bestehende Führungskräfte – Vorteil: Kontinuität und Unternehmenskenntnis
  • Management Buy-in (MBI): Übernahme durch externe Manager – bringt frische Perspektive und neue Kompetenzen
  • Externe Nachfolge / Verkauf: Verkauf an Dritte, strategische Investoren oder Private-Equity-Firmen
  • Mitarbeiterbeteiligung: Übergabe an die Belegschaft – z. B. als Genossenschaft oder durch Beteiligungsmodelle
  • Fusion / Merger: Zusammenschluss mit einem komplementären Unternehmen

Der Nachfolgeprozess

Erfolgreiche Nachfolge braucht 3–5 Jahre Vorlauf:

  1. Strategische Vorbereitung (3–5 Jahre vorher): Geschäftsmodell analysieren, Unternehmen „nachfolgefähig“ machen, Abhängigkeiten vom Inhaber reduzieren
  2. Nachfolgersuche: Intern oder extern? Anforderungsprofil definieren, Kandidaten identifizieren und prüfen
  3. Unternehmensbewertung: Objektive Bewertung als Verhandlungsgrundlage – Ertragswert, Substanzwert, Multiplikatorverfahren
  4. Einarbeitung und Übergabe: Schrittweise Verantwortungsübergabe, Wissenstransfer, Kunden- und Partnerbeziehungen übergeben
  5. Rechtliche und steuerliche Gestaltung: Gesellschaftsvertrag, Steueroptimierung, Finanzierungsstruktur
  6. Post-Merger-Phase: Change Management für das Team, neue Strategie kommunizieren, Stabilität schaffen

Nachfolge als Innovationschance

Die Unternehmensnachfolge bietet eine einzigartige Gelegenheit für strategische Erneuerung:

Die Kombination aus bestehender Substanz (Kunden, Know-how, Marke) und neuer Innovationskraft ist das größte Asset der Nachfolge.

Unternehmensbewertung und Finanzierung

Zentrale Aspekte der finanziellen Nachfolgeplanung:

  • Bewertungsmethoden: Ertragswertverfahren, Discounted Cash Flow (DCF), Multiplikatorverfahren – oft werden mehrere Methoden kombiniert
  • Wertreiber: Kundenbeziehungen, Markenstärke, wiederkehrende Erlöse, Mitarbeiter-Know-how, USP
  • Finanzierungsquellen: Eigenkapital, Bankfinanzierung, Verkäufer-Darlehen, Beteiligungskapital, Fördermittel
  • Earn-out-Modelle: Teil des Kaufpreises wird erfolgsabhängig gezahlt – reduziert Risiko für beide Seiten

Ein solides Geschäftsmodell mit klarer Wertschöpfungskette und guter Pricing-Strategie erhöht den Unternehmenswert signifikant.

Nachfolge in Österreich: Zahlen und Unterstützung

  • Nachfolgebörse der WKO: Die größte Plattform für Unternehmensübergaben in Österreich – anonyme Inserate für Übergeber und Nachfolger
  • Förderungen: AWS Nachfolge-Förderung, Jungunternehmer-Förderung, Gründungsprivileg bei Neufirmengründung im Rahmen der Nachfolge
  • Beratungsangebote: WKO-Gründerservice, Steuerberater mit Nachfolge-Spezialisierung, spezialisierte M&A-Berater
  • Steuerliche Aspekte: Grunderwerbsteuer, Gesellschaftsteuer und ertragsteuerliche Optimierung bei der Übergabe

Typische Fehler bei der Nachfolge

  • Zu spät anfangen: Nachfolge braucht 3–5 Jahre Vorlauf – viele starten erst, wenn es dringend wird
  • Emotionale Blockade: Das „Loslassen“ fällt Gründern und Inhabern schwer – professionelle Begleitung hilft
  • Kein klares Geschäftsmodell: Wenn das Unternehmen zu stark vom Inhaber abhängt, ist es kaum übergebbar
  • Unrealistische Preisvorstellung: Emotionaler Wert und Marktwert klaffen oft auseinander
  • Familie vor Kompetenz: Familieninterne Nachfolge nur, wenn die Person auch fachlich und persönlich geeignet ist
  • Team vergessen: Mitarbeiter brauchen Transparenz und Einbindung – Unsicherheit führt zu Fluktuation

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Wir begleiten Übergeber und Nachfolger bei der strategischen Weiterentwicklung – für eine Nachfolge, die Wert schafft.

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Häufige Fragen zur Unternehmensnachfolge

Wann sollte ich mit der Nachfolgeplanung beginnen?

Mindestens 3–5 Jahre vor der geplanten Übergabe. Je früher Sie starten, desto mehr Optionen haben Sie: Nachfolger finden und einarbeiten, das Geschäftsmodell stärken, steuerliche Optimierungen nutzen und den Unternehmenswert steigern.

Was kostet eine Unternehmensnachfolge?

Die Kosten umfassen: Unternehmensbewertung (3.000–15.000 Euro), rechtliche und steuerliche Beratung (5.000–30.000 Euro), optional M&A-Berater (Erfolgshonorar 3–5 % des Kaufpreises). Dazu kommen eventuelle Investitionen in die Übergabefähigkeit des Unternehmens. Förderungen können einen Teil der Beratungskosten decken.

Was macht ein Unternehmen „nachfolgefähig“?

Nachfolgefähigkeit bedeutet: Das Unternehmen funktioniert unabhängig vom aktuellen Inhaber. Dafür braucht es: dokumentierte Prozesse, ein eigenständig agierendes Führungsteam, diversifizierte Kundenbeziehungen, ein klares Geschäftsmodell und eine starke Markenpositionierung.

Wie finde ich den richtigen Nachfolger?

Definieren Sie zuerst ein Anforderungsprofil: fachliche Kompetenz, Führungserfahrung, unternehmerisches Denken und kulturelle Passung. Suchen Sie parallel intern (Führungskräfte, Mitarbeiter) und extern (Nachfolgebörsen, M&A-Berater, Branchennetzwerke). Planen Sie eine Einarbeitungsphase von mindestens 12–24 Monaten.